BILDENDE KÜNSTLER NEUWIED e.V.

BILDER UND BERICHTE

Neuwieder Stadtgalerie sehr voll bei Vernissage der Gruppe 93

Den Bericht im Original finden Sie hier: Bericht NR-Kurier

Stadtmarketing-Chefin Petra Neuendorf war selig, denn nach dem großen Andrang bei „Neuwied erschmecken“, platzte am Donnerstagabend auch die Stadtgalerie in der ehemaligen Mennonitenkirche aus allen Nähten, weil so viele Kunstinteressenten die Vernissage der Gruppe 93 miterleben wollten. Die Künstlergruppe präsentiert bis zum 21. Juli unterschiedliche Kunstwerke zum Thema „Meer“. 

Ulrich Christian bei seiner Rede in der Stadtgalerie. Fotos: Helmi Tischler-Venter


Neuwied. Im Rückblick auf ihre 20 Jahre Stadtmarketing hieß das für Petra Neuendorf auch 20 Jahre Stadtmarketing und 20 Jahre Gruppe 93. Neuendorf freute sich, dass sie nie jurieren musste, denn da es sich um Künstler mit manchmal ungewöhnlichen Eigenheiten handelt, „braucht man da einiges an Nerven!“ Andererseits fand sie es toll, dass es die Gruppe so lange in Neuwied gibt, "denn was wäre eine Stadt ohne Kulturschaffende?“

Das Ehepaar András Orbán und Viktória Nyulász bereicherte die Ausstellungseröffnung mit virtuoser Klavier- und Querflötenmusik.

„Und ganz am Ende wird in der Erinnerung das Meer blau sein“, zitierte Sprecherin Sybille Lenz ein Gedicht von Reiner Kunze, dem es um die Erinnerung und die Unendlichkeit des Meeres geht.

Der Künstler Ulrich Christian stellte seiner Rede einen Bibelvers voran. Seine Überlegungen zum gemeinsamen Thema „Meer“ umfassten sowohl formale Aspekte als auch assoziative und emotionale Aspekte. „Wir finden dann Begrifflichkeiten wie unübersehbare Weite, Fülle, Sehnsucht, Freiheit, Unendlichkeit, Überwältigung, Kraft und eventuell auch Bedrohung und Angst. Bei diesen Gedanken entstehen Kopfbilder aus dem eigenen Erlebnisschatz von Urlaub mit Sonne, Wind und Wellen, von einer Strandwanderung, von Sonnenauf- oder Sonnenuntergang über dem Meer, Küsten in Nah und Fern, Reisen mit Erlebnissen auf und unter Wasser.“ In Lyrik und Prosa, in der klassischen Musik und modernen Liedern haben sich Künstler dieses Themas angenommen.

Auch in der Bildenden Kunst findet man seit Jahrhunderten Werke wie aus Zeit der Renaissance Albrecht Altdorfers Bild „Alexanderschlacht“, von dem Romantiker Caspar David Friedrich gemalte Bilder „Der Mönch am Meer“, „Kreidefelsen auf Rügen“ und „Wanderer über dem Nebelmeer“. Bekannt sind auch die Gemälde „Die Große Woge“ von Hokusai, Gericaults riesiges Bild „Das Floß der Medusa“, Monets „L’impression soleil levant“ aus der impressionistischen Zeit und auch noch Böcklins „Toteninsel“ oder „Villa am Meer“.

„Die Techniken für die künstlerische Umsetzung in unserer Gruppe sind sehr vielfältig, sie sehen Kohlezeichnungen, Fotografien, Druckgrafiken, Aquarelle, Acryl- und Ölmalereien, verschiedene Mischtechniken, plastische Werke – überwiegend aus dem keramischen Bereich.“

Das Hauptthema Meer sieht man in der Ausstellung als ruhiges Wattenmeer, aber auch mit felsigen Küstenlandschaften bei leichter Brise, ebenso als aufgewühlte und tobende See. Mit Motiven wie Wasserschildkröten, Haien und Vögeln wird das Leben im und am Wasser thematisiert. Boote auf dem Meer werden in vielfältigen Weisen dargestellt. Auch die folgenschwere Meeresverschmutzung wird thematisiert. Ein Meer an Impressionen für den Betrachter. htv

Weitere Bilder unter dem Link des NR-Kurier 


Den Bericht im Original finden Sie hier: Blick Aktuell

„Gruppe’93“ präsentiert Jahresausstellung in der Stadtgalerie

„Das Meer“ in seiner schaurig-schönen Vielfalt

16 Künstler präsentieren Gemälde, Fotos, Plastiken, Radierungen und Drucke in bemerkenswerter Abwechslung


„Das Meer“ wurde am Sonntag lebendig, als „Der kleine und große Regenbogenfisch“ auftauchte. Fotos: FF


Neuwied. „Das Meer“ – für viele Menschen der Inbegriff für Weite und Freiheit. Für Urlauber ist das Meer Entspannung pur, für Bootsflüchtlinge dagegen die Entscheidung über Leben und Tod. Das Meer als riesige Müllhalde ist zum Inbegriff für unsere Konsum- und Wegwerfgesellschaft geworden. All diese vielfältigen Facetten zeigt die Jahresausstellung der „Gruppe’93. Bildende Künstler Neuwied e.V.“. Die Neuwieder Künstlervereinigung hat sich in diesem Jahr diesem spannenden Thema angenommen und präsentiert die Werke noch bis zum 21. Juli in der Stadtgalerie in der ehemaligen Mennonitenkirche von 1768. Die sechzehn Künstler/innen präsentieren eine bemerkenswerte Abwechslung. Zu sehen sind Gemälde, Fotos, Plastiken, Radierungen und Drucke. Petra Neuendorf und Ulrich Christian, musikalisch umrahmt von Andras Orban (Klavier) und Viktoria Nyulasz (Querflöte), führten vergangenen Donnerstag in die Ausstellung ein. Danach ließ das große Publikum die Werke auf sich wirken. Die Künstler standen den Besuchern für anregende Gespräche zur Verfügung.

Sichtlich war der ein oder andere von der Strahlkraft ergriffen. Das „Mädchen und das Meer“ ist nur eines von mehreren großformatigen Bildern von Sybille Lenz, das Lust auf Koffer packen macht. Auch Lilo Laschik bedient Sehnsüchte. Man kann förmlich die Meeresbrise spüren, wenn man die schaukelnden Boote am Steg betrachtet. Ganz im Gegensatz dazu nicht bunt, sondern in Schwarz und Grau gehalten ist das Werk mit dem Titel „Läuft wie geschmiert“. Frieda Wionzek hat darin das Elend ölverschmierter Vögel verarbeitet. Sigrid Langert zeigt die Verschmutzung durch Plastikmüll. Typische Plastikartikel hat die Künstlerin in Keramik nachgebildet. Ihre interessanten Reusen machen auf die Überfischung aufmerksam. Einen richtigen Hingucker hat Knut Mans unter dem Titel „Neptunus“ geschaffen. Marianne Dick befördert die Schönheiten aus dem Wasser ans Tageslicht. Ihre roten Korallen stehen für die atemberaubende Schönheit des Meeres. Der Hai dagegen ist der Inbegriff für die Gefahren der Ozeane. Unter dem Titel „Hai Five“ kann man im großen Saal gefahrlos auf die Tiere zugehen. Die Unberechenbarkeit des Meeres lässt sich bei Daniela Porz erahnen. Sie hat „Überfahrt-Waben“ geschaffen.

Den Künstlern über die Schulter schauen

Wer auf Tuchfühlung mit den Ausstellern gehen möchte, sollte den Termin am 26. Mai um 11 Uhr nicht verpassen. Bei „Künstler bei der Arbeit“ lassen sich einige Mitglieder der Gruppe’93 über die Schultern schauen. Einen besonderen Leckerbissen hatte Marie Schäfer aus der Gruppe‘93 am Sonntag auf die Beine gestellt. Sie bereitete ihrer Theatergruppe „Die Fischstäbchen“ eine große Bühne. „Das Meer“ wurde in der Stadtgalerie lebendig, als die Kinder der Margareten-Grundschule den „kleinen und großen Regenbogenfisch“ aufführten, in dem es vor allem um Freundschaft ging. An der Grundschule in Heimbach-Weis leitet Marie Schäfer die beliebte Theater AG. Ihre Fotografien zum Thema gehören benfalls zu den Exponaten der Jahresausstellung. Mit „Das Meer“ führt die Gruppe’93 eine geschätzte Tradition auch im Jahr eins nach dem 25-jährigen Jubiläum fort. Im Wechsel findet die Jahresausstellung mit immer wieder neuen Themen im Roentgen-Museum bzw. der Stadtgalerie statt. Die vom 2003 verstorbenen Otto Buhr, einem der bedeutendsten zeitgenössischen Künstler am Mittelrhein, gegründete Gruppe gehört zu den wichtigsten Akteuren der heimischen Kunstszene. Viele Mitglieder stellten auch bei „Kunst im Karree“ vor gut zwei Wochen aus. Mittwochs von 12 bis 17 Uhr, donnerstags bis Samstag von 14 bis 17 Uhr und sonn- und feiertags von 11 bis 17 Uhr sind die Werke der insgesamt 16 Künstler/innen zu sehen. Gruppentermine können unter Tel. (0 26 31) 2 06 87 oder per E-Mail an stadtgalerie@neuwied.de vereinbart werden. Die Exponate der Mitglieder aus der Gruppe’93, Norbert Bleidt, Ulrich Christian, Marianne Dick, Helga Gans-Eichler, Lilo Laschik, Sigrid Langert, Sybille Lenz, Knut Mans, Marie Schäfer, Franz von Stockert, Ursula Voigt-Pfeil, Lois Michele Wetzel, Gerhard Wienss und Frieda Wionzek werden von den Arbeiten der Gastkünstler Daniela Porz und Andreas Kollig ergänzt.



PDF-Auszug: Abdruck des Berichtes der © RZ Koblenz


Die Mitglieder der Gruppe 93 feiern die Eröffnung ihrer Ausstellung mit Gästen. Foto: Jörg Niebergall


© RZ Koblenz Über einen Ort der Sehnsüchte und der Gefahren
Jahresausstellung der „gruppe 93“ in der Mennonitenkirche ist maritim geprägt
Von unserer Mitarbeiterin Lieselotte Sauer-Kaulbach Neuwied.

Seit Jahrhunderten ist es in der Kunst Inbegriff von Weite, Unbegrenztheit, Freiheit, aber auch von Abenteuern und Gefahren: „Das Meer“. Genau diesen Titel und dieses Thema wählte sich die Neuwieder „gruppe 93“ für ihre aktuelle Jahresausstellung in der Stadtgalerie Neuwied. 

Da breiten sich, rechtzeitig zum Beginn der Urlaubszeit, strahlende, Sehnsüchte weckende Blautöne über Papier und Leinwände aus, ob es um mediterrane Gestade geht, wie in den Bildern Lilo Jascheks, die Ölfarbe so einsetzt, dass sie wie Aquarelle erscheinen; oder um eher nördlichere Gefilde, wie die von Wind und Wetter zernagte Steilküste beim normannischen Etretat mit ihren markanten steinernen Elefanten. Da wandert Gerhard Wienss in zartem Grau- Blau auf den lichterfüllten Spuren der hier gleichfalls zahlreich aktiven Impressionisten. Das zu allen Tageszeiten ganz spezielle Licht, bis hin zum abendlich-feurigen Sonnenuntergang, fängt, ähnlich wie Jaschek, Helga Gans-Eichler in ihren Bildern ein, während Ulrich Christian in einer Serie monochromer Aquatintaradierungen die Farben des Sandes, des Strandes, der Dünen, des Meerhimmels konserviert. Seinen kleinen quadratischen Formaten tritt Sybille Lenz großformatig und selbstbewusst gegenüber, schwelgt à la David Hockney in leuchtendem Blaugrün und mit reichlich Lichtreflexen auf der Wasserfläche, setzt nicht nur in ihrem „Das Mädchen und das Meer“ Rot als kraftvollen Akzent ein. Wie denn überhaupt das Thema der Spiegelungen naturgemäß eng mit dem Meer, mit dem Wasser generell verbunden ist, die Spiegelungen etwa von Booten auf der Wasserfläche reizvolle grafische Akzente ermöglicht, ob bei Lenz, Wienss oder der stärker zur Abstraktion, zum Ausschnitt tendierenden Daniela Polz. Sie nimmt, wie die im Gegensatz dazu Weite durch niedrige Horizontlinien ins Bild bannende Andrea Kollig, als Gastkünstlerin an der Ausstellung teil. Auf die maritime Tierwelt zielt Frieda Wionzek mit zwei witzig „Hai Five“ betitelten Bildern ab, mit Tieren, die für geballte Energie stehen, die das Wasser aufschäumen lassen, so, wie die Vögel in den Kohlezeichnungen von Norbert Bleidt Strudel von Linien auslösen. Sie allesamt sind gefährdet durch die vom Menschen verursachte Vermüllung der Meere, auf die Ursula Vogt-Pfeil mit einer Fotocollage abzielt, in der Botticellis Venus nicht die Schaum-, sondern die Müllgeborene ist. Bleibt die eskapistische Flucht in die Mythologie, die Knut Mans in einem Keramikobjekt mit seinem auf den Meeresgott Neptun anspielenden Dreizack antritt, dicht gefolgt von Marianne Dick und ihren schlanken Keramikmeerjungfrauen. Die scheinen jeden Augenblick von ihren Halterungen wegschwimmen zu wollen. Mögen sie sich nur nicht in den Gittern der tönernen Reusen Sigrid Langerts verfangen! 

 Die Ausstellung in der Stadtgalerie in der Mennonitenkirche, Schlossstraße 2 ist, bis zum 21. Juli zu sehen (mittwochs 12 bis 17, donnerstags bis samstags 14 bis 17 und sonn- und feiertags 11 bis 17 Uhr). RZ Kreis Neuwied vom Samstag, 18. Mai 2019, Seite 12